Was ist Gesundheit?

Hier können Sie lesen, welche Definition meiner Arbeit zu Grunde liegt.

Wann fühlten Sie sich das letzte Mal rundum gesund?

 

Schließen Sie kurz die Augen und gehen Sie in der Zeit zurück. Wann war es zuletzt, dass Sie sich ganz und gar gesund gefühlt haben?

Haben Sie eine Antwort für sich gefunden?

 

Was machte diese Qualität aus?

 

Was war das besondere an dem Moment, an den Sie sich erinnern?

Das Stillsein der tausend Gedanken im Kopf? Das körperliche Wohlgefühl? Die Dankbarkeit darüber, nicht krank zu sein?

 

Die Definition von Gesundheit ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Und sie verrät nebenbei viel darüber, wie man das Leben, wie man Krankheit und Beeinträchtigungen sieht.

 

Ziehen wir die Definition einer offiziellen Stelle, der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu Rate:

„Gesundheit ist ein Zustand von vollständigem physischen, geistigen und sozialen Wohlbefinden, der sich nicht nur durch die Abwesenheit von Krankheit oder Behinderung auszeichnet. Sich des bestmöglichen Gesundheitszustandes zu erfreuen ist ein Grundrecht jedes Menschen, ohne Unterschied der Rasse, der Religion, der politischen Überzeugung, der wirtschaftlichen oder sozialen Stellung."

Ein hehrer Anspruch. Betrachtet man das Jahr, in dem diese Definition anläßlich der Gründung der WHO entstand – 1948 – so wird sie verständlicher. Die Erfahrungen des 3. Reiches und des 2. Weltkrieges spielen notgedrungen mit hinein. Auch heute noch gibt es genug Diskriminierungen und Kriege auf der Welt, wo offensichtlich gegen dieses „Grundrecht“ verstoßen wird. Schon unser deutsches Krankenkassensystem wird offensichtlich den Ansprüchen nicht gerecht. Insofern ist diese Definition nach wie vor wertvoll, nimmt sie doch eine klare Position ein gegen Ungleichheiten, die sich auf den Gesundheitszustand auswirken können.

 

Aber wird diese Definition einer ganzheitlichen Sichtweise, wie Shiatsu und viele andere Therapien sie vertreten, gerecht?

Gesundheit zeichnet sich nach der WHO "nicht nur durch die Abwesenheit von Krankheit" aus. Krankheit und Gesundheit widersprechen sich also. Krankheit ist das Auszumerzende und die Eindämmung oder Ausrottung von Infektionskrankheiten sind eindeutig Erfolge der WHO. Dem widerspreche ich nicht und Menschen mit Infektionskrankheiten schicke ich umgehend zum nächsten Arzt.

 

Doch was ist mit den Menschen, die zu mir in die Praxis kommen und die sehr oft an Schmerzen im Bewegungsapparat leiden? Kommt man da weiter, wenn man den Schmerz als das Auszumerzende, als den Feind ansieht? Ist er nicht viel mehr ein Freund, der einen auf eine Fehlhaltung oder eine Überanstrengung hinweisen möchte? Ein Freund, der einen auf den Weg zu mehr Selbstverantwortung führen kann. Der einem Bedürfnisse zeigt, die man vernachlässigt wie z.B. gesunde Ernährung, genügend Bewegung – am besten an der frischen Luft – oder schlicht mehr Ruhe. Und wie ist es mit Menschen in oder kurz vor Umbruchsituationen in ihrem Leben? Es können auch neue Herausforderungen sein, die man braucht. Manchmal verharrt man schon zu lange in einem Zustand (zum Beispiel beruflich oder beziehungstechnisch), der einem nicht gut tut. Vielleicht möchte einen sein Unwohlsein dazu bringen, den nächsten Entwicklungsschritt anzugehen und sich weiter zu entfalten, seiner Vorstellung von dem, wie man leben möchte, näher zu kommen, oder sie schlicht zu überdenken.

 

Somit wird Gesundheit zur Fähigkeit, diese Botschaften des Körpers zu integrieren und auf sie angemessen zu reagieren.

 

Und wie ist es mit Krankheiten, wo auch gezielte Körperübungen, abgestimmte Ernährung und eine veränderte Einstellung zur Krankheit oder andere Formen der Selbstverantwortung nichts nützen? Man kann machen, was man will, man bleibt krank, bzw. in seiner körperlichen Bewegungsfreiheit beeinträchtigt, schmerzerfüllt oder gar zum vorzeitigen Tode verurteilt. Es kann einem ggf. keiner erzählen, wo der Ursprung dieser Krankheit liegt. Man kann nichts tun, um sich als selbstwirksam zu erleben im „Kampf“ gegen die Krankheit.

Auf die Frage, woher solches Leid kommt, haben verschiedene Kulturen und ihre jeweiligen Wissenschaften unterschiedliche Antworten gefunden, die von „Karma“ und „Strafe Gottes“ bis zu genetischer Disposition reichen. Dieses Leid ist weniger vorübergehend; Sätze wie „Alles wird gut“ klingen in Anbetracht Ihrer wie ein Hohn. Hier geht es darum, Lebensqualität zu verbessern, einen Weg zu finden, mit der Krankheit zu leben. In diesem Spielraum zeigt sich Gesundheit. Und hier zeigt sich insbesondere, ob man auch eine spirituelle Ader hat.

 

Akzeptanz des Ist-Zustandes ist meines Erachtens in jedem Fall der erste, wichtige Weg zur Veränderung. Denn mit dem Ende des Kampfes stellt sich Entspannung ein, die so dringend notwendig ist für viele Heilungsprozesse. Das heißt nicht, dass man akzeptiert, dass es immer so ein wird – nur, dass es jetzt so ist, wie es ist. Ich muß anerkennen, wo ich bin, um dahin zu kommen, wo ich hin möchte.

 

Einwände, Ergänzungen, Erfahrungen? Ich freue mich über Feedback!

Ihre

Cornelia Morgenroth

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